Bericht von Hugo:
Nach der Verschlechterung des Gesundheitszustands von meinem Vater Hans Martin war ich vom 23. - 25. November in Würzburg um Abschied zu nehmen und ihm den Abschied, wenn irgend möglich zu erleichtern.
Als ich kurz vor 12:00 Uhr im Elternhaus ankam, war er geistig ganz wach und strahlte mich freudig an. Gleich zu Beginn konnte ich ihm berichten, dass wir (mein Bruder Johannes und ich) nach mehr als zweijähriger Arbeit sein Werkeverzeichnis (vorläufig) abgeschlossen hatten. Ich habe ihm 'sein Exemplar' mit über 350 Werken überreichen dürfen. Als ich ihm berichtete, dass das Verzeichnis jetzt auch im Internet steht und dort für alle Zeit seine Arbeit dokumentiert und für Interessierte verfügbar ist merkte man ihm an, dass er sehr 'erleichtert' und dankbar war. Geschafft!
Das Werksverzeichnis (PDF, auf www.martin-bavaria.de)
Vater war kaum mehr zu verstehen und man musste oft erraten was er sagen wollte. Mit viel Geduld hat er immer wieder den Kopf geschüttelt, bis man endlich verstanden hatte, was er wissen oder sagen wollte ...
- er wollte wissen, was, nachdem das Verzeichnis fertig sei, jetzt mit den Originalnoten passiere würden und ich versuchte ihm Sicherheit zu geben, dass sie bei Johannes und bei Mutter in guten Händen seien und dass wir dafür sorgen, dass sie nicht verloren gingen ...
- er wollte wissen, ob sich das Atkarsker Heimatmuseum schon gemeldet hatte und ich versuchte ihm zu verstehen zu geben, dass dies noch lange, für ihn wahrscheinlich zulange dauern würde, da der Museumsdirektor selbst sehr schwer erkrankt im Krankenhaus liegen würde
- er erkundigte sich nach den Kontakten und dem Stand der Dinge unseres martin-bavaria.de Projektes, war sichtlich zufrieden, dass es dort Fortschritte gab und bat mich die 'Mitstreiter' und Bekannten von ihm zu grüßen und mich zu bedanken
- er wollte noch bestimmte Dinge in seinen Aufzeichnungen und Dateien in seinem PC abschließen. Dazu wollte er sich unbedingt noch einmal selbst an seinen Computer setzen. Beim ersten Versuch ging gar Nichts, er war viel zu schwach und so versprach ihm die betreuende Schwester vom Pflegedienst, dass wir es am Samstag morgen 'versuchen' würde. Aber auch das ging nicht (mehr), gleich als er aufrecht am Bett saß, bat er die Schwester den Versuch abzubrechen und ihn ins Bett zurückzulegen. So konnten wir sein Vorhaben nicht zum Erfolg führen und ich konnte bestimmte Dateien auf der Basis seinen Angaben (soweit ich diese interpretieren konnte) nicht finden. Auch der Versuch ihn auf einem Blatt mit dem Alphabet die Dateinamen buchstabieren zu lassen, führte trotz seiner großer Anstrengung und Konzentration nicht zum Erfolg. So habe ich am Sonntag seinen Computer im Arbeitszimmer abgebaut und direkt am Bett wieder aufgebaut. Mit viel Konzentration hat sich dann Vater die einzelnen, über knapp 25 Jahre entstandenen Verzeichnisse und darin so manche Dateien angeschaut. Irgendwie wurde ihm dann aber das 'Gesamtwerk' und der Datenbestand / die Aufzeichnungen und Noten wichtiger, als die bestimmten Dateien vom Vortag zu finden.
Da es für uns immer schwieriger wurde ihn zu verstehen, haben wir dann noch versucht mittels der Tastatur und der Buchstabentafel eine Möglichkeit zu geben, sich auszudrücken und dann hat er (mit ein wenig Unterstützung) seinen letzten Satz auf seinem Computer für uns geschrieben "ich habe durst ...". Damit hatte er dann auch seine langjährige, innige Beziehung mit dem Computer und die Arbeit am Computer abgeschlossen und schlief glücklich und entspannt ein.
Die letzte Heilige Messe am Computer ...
Der Abschied ...
Veröffentlicht am 25-November-2007